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Der Biotopschutzbund hat in letzter Zeit mehrere Grundstücke am Zulauf der Eiderbach erworben. Die Grundidee war, diesem Entwässerungs-Graben wieder seinen ursprünglichen Verlauf zu geben - ihn zu renaturieren. Vermutlich wurde ein sich natürlich windendes Bächchen von unseren Vorfahren rigoros begradigt, um dieses sumpfige Gebiet zu entwässern und die Fläche besser landwirtschaftlich nutzen zu können. Berthold Mairon und Petra Spreitzenbarth machten sich auf die Suche  irgendwelches Dokumentationsmaterial ausfindig zu machen.

Die Recherche führte zunächst zum Vermessungsamt. Die ältesten Aufzeichnungen im Archiv der FD-Vermessung sind ein Urhandriß und ein Gemarkungsatlas aus der Landesvermessung der Jahre 1870 - 1882. Aber schon damals war der Graben mit dem heutigen Verlauf eingemessen - schnurgerade.

Weiter führte die Suche ins Stadtarchiv der Stadt Walldürn. Mit der freundllichen Unterstützung von Herrn Hotzy bekamen sie Zugang zu den alten Unterlagen und sichteten dort jede Menge Dokumente. Sie stießen dabei auf einen überaus interessante Akte des Gemeinderats aus dem Jahr 1933, die auch für uns neue Erkenntnisse brachte:

 

Auf diesen Plänen ist die Mühlenbach-Instandsetzung der Stadtgemeinde Walldürn im Maßstab 1:1500 aufgezeichnet. Architekt Hermann Bonn hat auf drei Blättern den Verlauf von den Lappen unter der alten Landstraße von Walldürn nach Hainstadt hindurch bis zum "Hainstadter Brücklein" vermessen und gezeichnet. Die Bezeichnung Mühlenbach taucht hier erstmalig auf und war uns bislang nicht geläufig.


Ein kleiner Auszug aus einer Gemeinderatssitzung am 06. Februar 1933:

Ein Zusammenschluss von mehreren Landwirten, alle angrenzend an den Mühlenbachgraben, stellen im Gemeinderat den Antrag auf Erneuerung eines überquerenden Holzstegs, da der bestehende baufällig und nicht mehr befahrbar sei.

 

Damals - nicht anders als heute, musste erst einmal festgestellt werden, wer die Kosten trägt.

Der Bürgermeister macht sich bei den zuständigen Ämtern kundig und erhält u. a. die für uns relevante Aussage ...nach Sachlage handelt es sich um einen Wasserdurchzugsgraben (sog. "Feldgraben").

Dies zeigt uns, dass dieser Wassergraben nie ein natürlicher Wasserlauf war, sondern irgendwann einmal gezielt angelegt wurde, um das Sumpfgebiet von der Quelle bis zum "Hainstadter Brücklein" landwirtschaftlich nutzen zu können.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Die  Abhandlung dieses Antrages bis zur endgültigen Erledigung hat sich bis ins Jahr 1938 gezogen, erst dann hatte auch der letzte Anrainer seine Auflagen erfüllt. Der ganze Vorgang  ist heimatgeschichtlich hochinteressant und liest sich wie ein Krimi.

Die Erkenntnis, die sich daraus für den Biotopschutzbund ergibt: der Mühlenbach-Graben hatte nie einen mäanderartigen Ursprungsverlauf den es gilt wieder herzustellen - wir haben also freie Hand bei der Gestaltung!