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Biotop verunreinigt: "Schweinepferch" im Bereich des Oberen Marsbachs erholt sich allmählich

wieder / Ermittlungen blieben ohne Ergebnis.

Die Frösche im Tümpel haben ausgequakt

Von unserem Mitarbeiter Martin Bernhard

Walldürn. Vor zwei Jahren quakten hier noch Frösche, zogen Molche ihre Kreise, Vögel nisteten im Schilfrohr. Jetzt ist das Biotop "Schweinepferch" im Bereich des Oberen Marsbach ein grün-bräunlicher Sumpf. Inzwischen erholt sich der Tümpel allmählich wieder. Die Ursache der Verschmutzung scheint beseitigt. Zurück bleiben dennoch einige Fragen.

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Die Frösche im Tümpel haben ausgequakt

Von unserem Mitarbeiter Martin Bernhard

Walldürn. Vor zwei Jahren quakten hier noch Frösche, zogen Molche ihre Kreise, Vögel nisteten im Schilfrohr. Jetzt ist das Biotop "Schweinepferch" im Bereich des Oberen Marsbach ein grün-bräunlicher Sumpf. Inzwischen erholt sich der Tümpel allmählich wieder. Die Ursache der Verschmutzung scheint beseitigt. Zurück bleiben dennoch einige Fragen.

Als Mitglieder des Biotopschutzbundes im Herbst vergangenen Jahres zur Pflege des Biotops "Schweinepferch" anrückten, wateten sie durch Morast. "Da gab es nichts mehr zu pflegen", sagte Rainer Handwerk. "Alles tot." Vor 16 Jahren hatten die Mitglieder des Biotopschutzbundes das Biotop angelegt. Mit zwei bis drei Arbeitseinsätzen pro Jahr sorgten sie dafür, dass es sich artgerecht weiterentwickelte. Es siedelten sich Reptilien an, Bodenbrüter nisteten, Kleintiere und Insekten fanden Unterschlupf. 16 Jahre Arbeit sind jetzt für die Katz.

Bereits im Jahr 2009 hatten die Vereinsmitglieder festgestellt, dass der Tümpel verunreinigt wurde, und meldeten dies mündlich der Stadt. Landratsamt und Gemeindeverwaltungsverband befassten sich daraufhin mit der Angelegenheit. Vorort suchte man nach dem Verursacher, stellte allerdings fest, dass die Verunreinigung flächenhaft in den "Schweinepferch" eingedrungen sei. Kurz darauf regnete es heftig. Das Regenwasser wusch die Verunreinigung aus. Dadurch konnte nicht mehr weiter ermittelt werden.

Ich hatte das gemeldet, wie sich das gehört." Schirmer kann sich allerdings nicht mehr erinnern, mit wem von der Stadtverwaltung er darüber gesprochen hat. "Ich habe halt oben angerufen." Passiert ist zunächst nichts. "Wir wissen nicht, warum man da nicht massiver vorgegangen ist", sagt Schirmer.

Am 8.Februar 2011

 

 

Biotop "Schweinepfrech" 1995

 


 

Termin vor Ort

Am 8. Februar schließlich riss Rainer Handwerk der Geduldsfaden. "Ich habe morgens eine E-Mail an den Bürgermeister geschickt. Abends habe ich Anzeige erstattet."

Auch wenn Handwerk keine Antwort auf seine E-Mail erhalten hatte, die Stadtverwaltung wurde dennoch aktiv. Nach den Worten des Bürgermeisters informierte man sofort die zuständige Fachabteilung beim Landratsamt über den Fall. Bereits einen Tag später trafen sich Thomas Kuhn von der Stadt Walldürn, Anton Zimmermann vom Polizeirevier Buchen und Landwirt Martin Stolz, der in der Nähe eine Biogasanlage betreibt, am "Schweinepferch" zur Ortsbegehung. Die Staatsanwaltschaft Mosbach nahm die Ermittlungen auf.

Martin Stolz war dabei, weil es am 26. Oktober 2010 um 6.15 Uhr zu einem Störfall in seiner Anlage kam. Ein Lkw war gegen einen Strommasten gefahren. Der Strom bei Stolz und damit auch in der Biogasanlage fiel aus. Zwar sprang das Notstromaggregat an, man hatte aber versäumt, eine Pumpe wieder anzuschalten. Erst am Folgetag bemerkte der Landwirt das Versäumnis. Silagesickersaft trat aus der Anlage aus und gelangte auf eine angrenzende Wiese. Diese Verunreinigung fiel allerdings erst im nächsten Frühjahr nach der Schneeschmelze auf.

Im Zuge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mosbach im Februar beauftragte Stolz ein Gutachterbüro aus Sinsheim, das ihm das Landratsamt empfohlen hatte. Dieses überprüfte die Oberflächenwasser- und Bodenqualität. Das Ergebnis der Untersuchungen: Tiefere Schichten des Erdreichs waren durch den Gülleausfluss nicht beeinträchtigt worden. Auch werde der Graben durch oberflächennahes Grundwasser nicht beeinträchtigt.

 

Am 8.Februar 2011

 

Winter 2007

 


 

Ermittlungen eingestellt

Schließlich stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein, weil nicht zweifelsfrei ermittelt werden konnte, wer die Verschmutzung des Biotops verursacht hatte. Die Behörde stellte jedoch fest, dass diese wahrscheinlich durch Gülle oder Silagesäfte verursacht oder mitverursacht wurde, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Einstellungsmitteilung. Fachbehörden gehen davon aus, dass Graben, Biotop und Marsbach durch organische Stoffe unterschiedlicher Herkunft verschmutzt wurden.

der Meinung, dass das Biotop durch verschmutztes Oberfächenwasser verunreinigt wurde. "Es hängen drei Vollerwerbsbetriebe am Graben", sagt Stolz. "Wir alle sind in den vergangenen Jahren gewachsen, haben neue Gebäude errichtet und leiten mehr Dachwasser in den Graben." Sans weist auf das geringe Gefälle des Grabens hin. Laub und Schmutz sammelten sich darin an, moderten vor sich hin und würden im Frühjahr mit dem Schmelzwasser weggespült und gelangten auf diese Weise in das Biotop. Vorwürfe, dass Stolz als Landwirt nicht über die Fähigkeit verfüge, eine Biogasanlage zu betreiben, weist der Landwirt zurück: "Ich beschäftigte zwei Festangestellte, darunter einen Agraringenieur. Ich bin längst kein reiner Familienbetrieb mehr." Die Anlage werde mit einer computerunterstützen Steuerung rund um die Uhr überwacht. Tritt ein Fehler auf, wird der Landwirt über sein Handy darüber informiert. Dann behebt Stolz diesen umgehend, sogar mitten in der Nacht

Fränkische Nachrichten
09. Juli 2011